GET-Tipps zum fachgerechten Einbau von Abscheideranlagen

Abscheideranlagen werden oft als „Schachtanlage“ in den Untergrund eingebaut. GET fragt einen Fachmann, was beim Einbau von Abscheideranlagen zu beachten ist.

GET-Tipps zum fachgerechten Einbau von Abscheideranlagen

Für den Einbau von Abscheideranlagen gelten strenge Anforderungen (Bildquelle: Gütegemeinschaft Entwässerungstechnik (GET))

Abscheideranlagen werden zur Vorreinigung von Abwasser eingesetzt. Es gibt sie für verschiedene Einsatzbereiche:

# Fettabscheider (FA) dienen dem Schutz der Kanalisation; sie halten abscheidbare Fette zurück und verhindern so ein Zusetzen der Rohrleitungen.
# Leichtflüssigkeitsabscheider (LFA) trennen wassergefährdende Flüssigkeiten aus dem Abwasser ab und halten sie sicher zurück.

Oft werden Abscheideranlagen im Zuge einer Tiefbaumaßnahme als „Schachtanlage“ in den Untergrund eingebaut. Aber Achtung: Schacht ist nicht gleich Schacht! Beim Einbau von erdverbauten Abscheideranlagen sind wichtige Maßnahmen zu beachten.

Die Gütegemeinschaft Entwässerungstechnik GET fragte Michael Wieczorek, Bauingenieur und Inhaber der Tiefbaufirma WI-BAU-TEC in Hitzacker bei Lüneburg, zu den konkreten Anforderungen an erdverbaute Abscheideranlagen.

GET: Herr Wieczorek, Ihre Firma baut seit vielen Jahren Abscheideranlagen ein. Was ist der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Revisionsschacht und einem Abscheider-„Schacht“?

Michael Wieczorek (MW): Beide Schachtanlagen sind Schächte mit Zulauf und Ablauf, mit Schachtringen und Schachtdeckel. Doch im Gegensatz zu herkömmlichen Revisionsschächten der Kanalisation gibt es beim Einbau von Abscheideranlagen bedeutende Unterschiede und weitaus mehr und strengere Anforderungen.

GET: Warum sind die Anforderungen strenger?

MW: Nun, Abscheider und Abscheideranlagen haben wesentliche und weitreichende Funktionen im Zuge der Abwasserreinigung. Deshalb sind sie mit einer Reihe von wichtigen Einbauteilen ausgestattet. Abscheider konzentrieren Schmutz- und Schadstoffe auf und halten diese zurück. Da es sich bei den Schadstoffen um Fette und Fettsäuren oder um Leichtflüssigkeiten handelt, kann es hierbei zu korrosiven Bedingungen kommen. Betonoberflächen von Schächten, Leitungen und Kanälen, die mit diesen Medien in Berührung kommen, müssen gegen Korrosion geschützt sein. Das erfolgt in der Regel durch eine Beschichtung oder mittels einer Kunststoffauskleidung. Die bedeutendste Anforderung an den Einbau von Abscheidern ist jedoch, dass Abscheideranlagen wirklich dicht sind.

GET: Müssen nicht auch Revisionsschächte der Kanalisation dicht eingebaut werden?

MW: Ja sicher. Die Anforderung an Dichtheit gilt natürlich auch für Revisionsschächte. Jedoch sind die Dichtheitsanforderungen hier wesentlich toleranter. Bei Abscheideranlagen kommt es im Gegensatz zu Revisionsschächten nicht selten zu einem Aufstau. Dann müssen Verbindungen und Schachtfugen zuverlässig dicht sein und einen Austrag von Schadstoffen wie z.B. Benzin oder Öl in den Untergrund verhindern. Zudem dürfen keinesfalls Schadstoffe aus den Deckeln austreten, wenn das Wasser aus dem Kanal drückt. Es darf nicht zur Havarie kommen.

GET: Was kann eine Baufirma tun, um einer Havarie vorzubeugen?

MW: Die Vorbeugung vor einer Havarie gilt vor allem bei Leichtflüssigkeitsabscheidern. Hier muss beachtet werden, dass die Schachtabdeckungen überhöht eingebaut werden. Natürlich unter Berücksichtigung zulässiger Schachtweiten. Die maßgeblichen Überhöhungswerte müssen ermittelt werden und hängen von Schachtaufbau und Ölspeichervolumen ab. Hier muss schon der Planer entsprechende Höhen und Ausführungen berücksichtigen. Aber die Baufirma muss es sehen und korrekt umsetzen! Und sie muss auf jeden Fall den Hinweis geben, wenn Anforderungen scheinbar nicht eingehalten werden können. Die Baufirma ist Fachfirma und Einbaupartner!

GET: Was kann der Bauherr tun, um den richtigen Einbaupartner zu finden?

MW: Die scheinbar billigste Lösung ist häufig nicht wirklich preiswert! Wichtig ist ein Fachbetrieb mit Erfahrung. Eine scheinbare Ersparnis durch eine billige Baufirma kann sehr teuer kommen, wenn es an die Beseitigung von Mängeln geht. Hersteller von Abscheideranlagen, die auch Mitglieder bei GET sind, arbeiten in der Regel sehr gut mit Fachbaufirmen zusammen. Sie können bestimmt einen Tipp geben. Aber natürlich wäre es für alle Beteiligten einfacher, wenn es ein Gütesiegel oder Zertifikat gäbe, das Fachfirmen für den Einbau von Abscheideranlagen eindeutig kennzeichnet. Aber die GET arbeitet ja daran…

GET: … Auch durch Ihre Mithilfe, Herr Wieczorek. Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr zu Abscheideranlagen und den Einbau von Abscheidern sowie das Gütezeichen RAL-GZ 968 finden Sie unter: https://get-guete.de

Die Gütegemeinschaft Entwässerungstechnik e.V. (GET) ist eine RAL-Gütegemeinschaft. Qualität, Sicherheit, Umweltverträglichkeit in der Entwässerungstechnik sind für GET wichtig, sowohl bei Produkten wie auch bei Dienstleistungen in diesem Bereich. GET-Mitglieder sind führende Hersteller und Experten der Entwässerungstechnik, sowie Fachverbände, Prüfinstitute und weitere, anerkannte Fachkundige und Sachverständige. GET vergibt die RAL Gütezeichen RAL-GZ 692 (Kanalguss), RAL-GZ 693 (Abscheideranlagen) und RAL-GZ 694 (Gebäudeentwässerung). Für gütegesicherte Dienstleistungen mit dem RAL-GZ 968 kooperiert GET mit der Gütegemeinschaft Güteschutz Grundstücksentwässerung e.V.

RAL Gütezeichen helfen, richtige Kaufentscheidungen zu treffen. Trägt ein Produkt im Bereich Kanalguss das Gütezeichen RAL-GZ 692, bei Abscheideranlagen das RAL-GZ 693 und im Bereich der Gebäudeentwässerung das RAL-GZ 694, so weist es damit eine besondere, geprüfte und nachvollziehbare Qualität, Langlebigkeit und ein hohes Sicherheitsniveau nach. Weitere Informationen zu GET und zur Entwässerungstechnik finden Interessierte unter www.get-guete.de

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